Yunnan (Okt. 2017)

22. Okt. / 220 Km Xichang-Panzihua. Wir fahren Richtung Gebirge der Provinz Yunnan und campen in der Hügellandschaft unterhalb des Lokalflugplatzes. Y.&Ch. haben einen Auffahrunfall, da ein Kleinlaster im Nebel in ihren Camper gefahren ist. Die Heckbox ist ramponiert.

23. Okt. / 260 Km Panzihua-Ninglang. Heute sind wir grösstenteils ohne Karte und Navi unterwegs. Das Motto fahren nach Gefühl durch den Nebel. Wir sind schon ein paar Stunden unterwegs. Unsere vorgegebene Route ist durch die Polizei wegen Bauarbeiten gesperrt worden. Umkehren und wieder von vorn. Wir fragen einen jungen Chinesen nach dem Weg. Anhand des Strassenatlas wird unser Ziel klar. Noch zwei Fahrzeuge der Gruppe schliessen sich uns an, da sie auch „lost in the nowhere“ waren. Er fährt 30 Km durch den Nebel den Berg hinauf. Das Strässchen existiert nicht auch der Karte oder im Navi. Wir fahren alleine weiter und gelangen auf die Hügelkante auf 2400 Meter. Anschliessend auf der anderen Seite runter. Nach 9 Stunden errichten wir ein „Notcamp“, da es langsam dunkel wird.

24. Okt / 120 Km. Ninglang-Lijiang (Baisha). Wir fahren dem Yangtsefluss entlang in tiefen Schluchten und kraxeln wieder über abenteuerliche Strassen auf die Hügelzüge hinauf. Die Minderheit der Naxi lebt in Baisha (rund 2000 Menschen) und pflegt ihre alten Traditionen (Handwerk und Kleinhandel).

25. Okt. / 170 Km. Lijiang – Dali. Am Morgen fahren wir noch ein anderes Dorf in der Nähe von Baisha. Hier treffen sich viele junge Chinesen um ihre Hochzeitsfotos anfertigen zu lassen. Dazu mieten sie sich traditionelle oder moderne Kleider.

In China unterwegs sein. Als Gruppenreise mit Flugzeug einreisen und im Autocar unterwegs sein ist einfacher. Die Touristen übernachten im Hotel. Die Reise wird über eine chinesische Agentur vorgängig gebucht und bewilligt. Die Route ist einzuhalten und wird kontrolliert. Die Kontrolle erfolgt durch die Meldung des Hotels an die örtliche Polizeistelle. Einzeltouristen in Guesthouses sind problematisch. Ist man Gast bei chinesischen Freunden, müssen diese die örtliche Polizeistelle informieren.

Reisen in privaten Expeditions-/Wohnmobilen sind schwieriger zu kontrollieren. Diesen Gruppen werden mindestens zwei Reiseleiter zur Seite gestellt. Diese tragen die Verantwortung für die Route. Gibt es Unfälle, Krankheiten etc., dass nicht die ganze Gruppe zusammenbleiben kann, müssen Sondergenehmigungen eingeholt werden. Diese Reisenden werden an jeder Mautstelle auf der Autobahn registriert. Oft gibt es Pass- und Fahrausweiskontrollen auf Rastplätzen. Die Daten werden mit den elektronisch hinterlegten Personalien abgeglichen (Quelle: Visa-Antrag, Einreisebehörde, Verkehrsbehörde).

Heute ist es einfacher als früher, um mit andern Sprachkulturen zu kommunizieren. Da musste der Reisende die entsprechende Sprache beherrschen oder einen Dolmetscher dabei haben. Heute geht das sehr einfach. Die Chinesen sind da sehr versiert. Sie (auch wir) haben ein entsprechendes App auf dem Handy. Da werden in der Muttersprache die Wörter in das Handy gesprochen und nach kurzer Zeit ist die Übersetzung in der gwünschten Sprache auf dem Handy ersichtlich.

In Dali sehen wir auf einem „Campingplatz“. Die Infrastruktur ist eher dürftig, aber frisches Trinkwasser ist vorhanden. In der Nacht – um 23 Uhr – schlich ein Typ um die Fahrzeuge und notierte die FZ-Nummern und machte Fotos. Ich streckte den Kopf durch die Türe und machte eine Handbewegung, dass er sich verziehen soll. Plötzlich standen 8 Polizisten – einzelne mit Maschinenpistolen im Anschlag – um mich und wollten meinen Pass. Den gebe ich nicht so gerne mitten in der Nacht aus der Hand; da wäre ich ausgeliefert und in der Bürokratiemühle gefangen. Somit konnte ich kein Englisch mehr. „Passport please“; „was meinsch, i verstand di nit, nei das chasch vergässe, dä chunsch nit über“. Auch nicht mit Handyübersetzung. Ich konnte nur noch Schweizerdeutsch… Unser Guide, der in der Zwischenzeit eintraf, löste die Situation durch eine längere Diskussion und nahm uns aus der Schusslinie.

Weshalb ausgerechnet mitten in der Nacht hier ein grösseres Polizeiaufgebot auftauchte, war unerklärlich – ausser Einheimische hätten dem örtlichen Polizeichef Meldung erstattet, dass Privatfahrzeuge mit Nummern, die in der Autonomen Region XINJIANG ausgestellt wurden, auf dem Campground übernachten. Aber vielleicht ist dem gar nicht so, und es ist ein reiner Zufall, dass wir zu unserer eigenen Sicherheit kontrolliert wurden. Unsere Papiere waren alle in Ordnung, der Aufenthalt hier im Ort vorgängig gemeldet und bewilligt worden. Alles löste sich in „Minne“ auf, als anderntags ein noch höherer Polizeibeamter den Aufenthalt nochmals bewilligte und absegnete. In China hat die Hierarchie noch ihren Stellenwert. Eine klare Kompetenzordnung von oben nach unten.

26. Okt. Dali. Am Morgen gibt’s eine Bootstour auf dem See. Rund um den See, der ca. 100 Quadratkilometer gross ist, hat es zahlreiche Feriensiedlungen und Hotelbauten. Sie alle stehen leer und sind unbewohnt. Teilweise mitten im Bau stecken geblieben. Vermutlich wurden die Bewilligungen entzogen, da der See aufgrund der Abwässer biologisch gekippt sein könnte. China unternimmt heute sehr viel im Zusammenhang mit dem Umweltschutz und der Luftqualität.

Unser Trinkwasser kaufen wir in 5-Liter Flaschen in den Supermärkten. Hier sind die Flaschen aufgetürmt zu schiefen “Türmen zu Pisa”. Beim letzten Einkauf stockten wir unsere Wasservorräte mit 2×5 Liter auf. Andertags zum Frühstück freuten wir uns auf den Kaffee. Beim Müeslirüsten erwähnte Margrit, dass die Mandarinen eigenartig riechen. Nein nicht die Mandarinen, vielleicht stinken die Passionsfrüchte. Sei’s drum. Das Wasser kocht auf dem Gasherd im Wasserkessel. Nur beim einschenken schäumt der Kaffee nicht, sondern ist eine müde, flache Pfütze in der Tasse. Da liegt der Hase im Pfeffer. Das Wasser stinkt. Blick auf die “Wasserflasche”. “BAI JIU 60% Vol”!!! Ich habe 10 Liter Schnaps gekauft statt Wasser. (Wasserflaschen rote Etikette und rund Flasche / Schnaps rote Etikette aber eckige Flaschen). Wir hatten grosses Glück, dass die Schnapskocherei nicht in Brand geriet und wir den Grenzübertritt nach Laos in einem abgefackelten Land Rover-Hüttli machen mussten….

27. Okt. / 417 Km. Dali – Shiling. Wir fahren auf der Autobahn durch urbane Gebiete mit Wohnsiedlungen beispielsweise von 20 Hochhäusern zu 50 Wohnungen – die momentan leer stehen. Als wir auf dem Campground ankamen, hatte es ein paar Chinesen, die auch Hütten auf Rädern hatten, wie wir. Gross war ihr Interesse am Landy Defender. Der war ihnen bekannt und ein Begriff. Sie liessen sich die Hütte zeigen, staunten über Dusche und WC im Azalai, den Motor erklären und erkundigten sich nach dem Alter des Landy’s. 14 Jahre. Da knallte ihre Kinnlade auf das Riffelblech des Kotflügels. Hier in China müssen alle Autos nach 15 Jahren wieder in die Fabrik zurück. Sie würden so gerne Oldtimer fahren. Weshalb zurück – war meine Frage. Dadurch steige das Bruttosozialprodukt – war die Antwort mit einem Grinsen.

28. Okt. Shiling (Shi=Stein, ling=Wald). Dies ist ein Weltnaturerbe und umfasst ein grosses Karstgebiet mit bizarren Kalksteinformationen.

Am Abend besuchten wir eine Vorstellung im Dynamic Yunnan Art Theatre. Eine fantastische Show, inspiriert von der Tanz- und Musikkultur der Ethnien Yunnans. 26 Völker leben in dieser Südprovinz. Die Regie hat Yang Liping, die wohl berühmteste Tänzerin Chinas.

29. Okt. 320 Km / Shiling-Yunanyang. Eine Irrfahrt ohne Strassen auf dem Navi. Das Endziel war bekannt. Die Reisterrassen von Yunnan auf 1’500 Meter. Unsere Landy fuhr voran und im Schlepptau noch 2 weiter Fahrzeuge. Auf den letzten 20 Km fuhren wir auf eine Baustelle auf, wo soeben zwei Kipperladungen Kies auf die Bergstrasse geschüttet worden waren. Warten. Nach 30 Min. war der Haufen geplättet. Wir konnten weiterfahren. Bald darauf war wieder eine Strassensperre. Schnur über den Weg. Umkehren und alles zurückfahren (35 Km) hiess die Anweisung des Stassenwärters. Das war zu viel verlangt! Ich räumte eigenmächtig die Sperre weg und fuhr weiter. Pech gehabt. Bald war ein Trax und 2 Kipperladungen auf der Bergstrasse. „Welcome in China – mit einem breiten Grinsen“ (So, euch Langnasen lassen wir jetzt tüchtig auflaufen). Ein Telefonat mit unserem Chinesischen Guide klärte die Situation und bald wurde eine Fahrspur über den Sandhaufen ermöglicht. Nach so einem langen Tag und teilweise auf Berg- und Nebenstrassen wollten wir einfach nicht nochmals 100 km Umweg fahren. Oft klappt’s, wenn sich die Agentur (Befehl von Oben) einschaltet und die „Steine“ aus dem Weg räumt.

30. Okt. 420 Km / Yuanyang – Puer. Nachdem wir die Reisterrassen besichtigt hatten, hiess es, den eleganten Rückweg (ohne Baustellen) zu finden, denn die Strassen waren immer noch nicht auf dem Navi vorhanden. Nach 50 Km waren wir wieder im Tal und fuhren weiter durch herrliche Landschaften (steile Hänge, tiefe Täler, Flussläufe mit Baggerschiffen) nach Puer. Wir nähern uns der Grenze China – Laos.
Übermorgen ist die Ausreise aus China angesagt. Die Reise durch dieses faszinierende Land nähert sich dem Ende. Herrliche Landschaften, fröhliche Menschen, unzählige Eindrücke haben unser Weltbild ergänzt und bereichert. Die Bürokratie und Kontrolle – zu unserem Wohle und Sicherheit – gehört halt einfach dazu. Dafür dürfen wir dieses Land bereisen und erleben. Wer damit nicht umgehen kann und dies nicht verkraftet, soll lieber in seiner Komfortzone zu Hause bleiben. Reisen ist anstrengend, abenteuerlich und spannend. Wir geniessen es sehr. Wir sind gesund und unser Landy fährt tadellos (nächstens mache ich Ölwechsel und Kardanwellen abschmieren). Der Blog ist ja jetzt nachgeführt.

Sechuan (Okt. 2017)

16. Okt. / 260 Km Songpan – Dujiangyan. Vom Hochland durch enge Schluchten (Berghang-Strasse-Fluss-Berghang) ins Tiefland gefahren. Abends in Walmart (auch das gibt’s in China) einkaufen gegangen. Endlich wieder Schokolade erhältlich. Wir haben u. A. 8 Tafeln Lindt-Schokolade und eine Flasche Singlemalt gekauft!

17. Okt. / 60 Km Dujiangyan – Chengdu. Wir besichtigen das UNESCO- Weltkulturerbe Bewässerungssystem des Min-Flusses in Dujiangyan. Die Anlage wurde 250 v.Chr. konzipiert und umgesetzt. Durch das System wurden die Überschwemmungen vermieden und die Tiefebene bewässert und fruchtbar gemacht. Chengdu ist die Provinzhauptstadt von Sichuan (8 Mio. Einwohner). Abends sind wir in Chendu auf dem grössten Campingplatz Chinas (130 ha). Wir wurden vom Professor für Campingtourismus informiert über seine Forschungen. Von Nordosten nach Südwesten und von West nach Ost ist der Schnittpunkt Chengdu, das Zentrum des Camper-Tourismus. Östlich dieser Linie leben 90 % der Chinesen, welche die Natur im Westen geniessen wollen. Heute hat der China-Camping-Club 50’000 Mitglieder. Im Jahre 2020 sollen es 200’000 Mitglieder sein und das bei einer Bevölkerung von 1,4 Mrd. Da ist noch beträchtliches Wachstumspotential vorhanden! Thailand hat schon heute die Grenzen geschlossen für Chinesische Camper-Mobile…..Heute soll es rund 15 % vermögende Chinesen geben; das wären über 200 Mio. Menschen. Seit 2013 Partei- und Staatschef Xi Jinping im Amt ist, hat die Zahl der Milliardäre von rund 250 auf 650 zugenommen. Auf den Strassen sind Range Rovers, Audis A8, Mercedes 500 etc. ersichtlich. Zwar nicht dick gestreut, aber immerhin…

18. Okt. / Chengdu. Wir besuchten die Panda-Bärenstation. Insgesamt gibt es 1’300 Pandas. Davon leben 100 in Chengdu im Aufzuchtzentrum. Die Bären werden auch an andere Zoos ausgeliehen – für EUR 1 Mio./ pro Jahr. Baby-Pandas kosten EUR 600’000 Miete und müssen nach einem Jahr zurückgegeben werden. Ein einträgliches Geschäft….Das kommunistische System hat das kapitalistische System verinnerlicht.….Aber das ist gut so – da überlebt die Gattung Pandabären auf diesem Planeten. Zu Mittag gibt es einen Feuertopf (Sechuanspezialität). Am Abend besuchen wir noch eine Aufführung der Sechuan-Oper (Chin. Drama, Schattenspiele, Marionetten).

19./20. Okt. 180 Km Chengdu – Leshan. Hier bestaunen wir den weltweit grössten Buddha mit 71 Meter Höhe (UNESCO-Weltkulturerbe). Er wurde zwischen 713 – 803 n. Chr. aus dem Felsen gehauen. Die Kulisse der Hochhäuser von Leshan löst sich im Dunst der hohen Luftfeuchtigkeit und Nebel auf.

21. Okt. / 420 Km. Emeishan – Xiching. Diese Route kommt uns vor, wie Erstfeld – Biasca (Gotthardstrecke). Das „Chileli von Wassen“ ist zwar nicht ersichtlich, aber zwei mächtige Kehrtunnels für die Autobahn sind in den Felsen gehauen. Das Wetter ist neblig und regnerisch wie im Herbst zu Hause. Die Tiefebene auf der andern Bergseite könnte die Magadinoebene sein. Da hat es Gewächshäuser und Gemüsefelder mit Chabis. Maiskolben hängen an den Lehmhäusern zum Trocknen. Aus unserem Soundblaster – wir hören podcasts – tönt „Country special“ mit Christoph Schwegler und Geri Stocker. Da tönt’s: didldidildum, „Auf der Nordsüdachse vor dem Gotthard gibt’s 10 Km Stau in der Leventina. Die Einfahrt Airolo ist gesperrt.“ In der BaZ war zu lesen, dass einzelne Skigebiete am Wochenenden aufgrund des Wetterumsturzes die Saison eröffnen werden. Nächsten Samstag beginnt die Herbstmesse. Die Welt ist ein Dorf – zumindest mit der heutigen Technologie was die Vernetzung anbelangt. Aber die Mechanik und Auotomobiltechnik spielt auch heute noch oft einen Streich. So hat es ein Expeditonsmobil (MAN – 10 Tönner) von unserem Team erwischt. Der Truck hat Flüssigkeit verloren. Vermutlich ist die Kupplung am Berg ausgestiegen. Das heisst, abschleppen in die nächste Grossstadt und ein paar Tage auf Ersatzeile warten/hoffen. (vgl.Seite: Reisegruppe-Fahrzeugtechnik-Shit happens).

Kloster Labrang und Hochebenen (Okt. 2017)

12. Okt. / Tibetisches Museum in Xining.
Wir besuchen das tibetische Museum. Hier gibt es den längsten Tanka (Wandbild) zu bestaunen. Er ist 620 Meter lang und 400 Mönche und Künstler haben daran gearbeitet. Sehr informativ sind auch die Exponate der tibetischen Medizin – Chirurgie-Instrumente, Lehrbücher und Heilpflanzen.

13. Okt. / 280 Km Xining – Xiahe
Die Gegend, die wir durchfuhren ist Siedlungsgebiet chinesischer Muslime. Ursprünglich von Samarkand (Usbekistan) eingewandert. In einigen Tälern dieser Region leben auch Tibeter. Heute ist das Zusammenleben beider Völker friedlich. Dies war nicht immer so (Zusammenstösse in den 1990er-Jahren). Um nach Xiahe zu gelangen, überquerten wir mehrere hohe Pässe (höchster 3643 MM). Auf den Alpweiden grasten Jaks mit Schafen zusammen im Schneegestöber.

14. Okt / 150 Km Xiahe – Langmu
Am Morgen besichtigten wir das Kloster Labrang. 1709 wurde es gegründet von einem lebenden Buddha. 21 Tempel sind in den Klosteranlagen vorhanden. Heute leitet die 6. Reinkarnation das Kloster. Früher studierten 3’000 Mönche an den 6 Akademien: Philosophie, Medizin, Astronomie und Mathematik. Nachdem in die Kulturrevolution zu Mao’s Zeiten die Klöster geschlossen wurden, leben heute wieder rund 1’200 Mönche hier. Der Jüngste ist 5 Jahre, der älteste 90 Jahre alt. Sie bleiben ein paar Jahre und gehen dann wieder ins Zivilleben zurück – oder bleiben ihr ganzes Leben im Kloster. Von den 6 Tibetischen Klöstern sind 4 in Tibet und 2 in der Provinz Gansu. Fotografieren ist in den Gebäuden nicht erlaubt. Schade. Wir hätten euch gerne u.A. die grosse Gebetshalle gezeigt. Vor der Eingangstüre waren Mantragesänge zu hören. Wir dachten, jetzt sehen wir Mönche, die tief in die Meditation versunken sind. Die Gesänge kamen aus Lautsprechern. Das Licht war schummrig. Die Halle hatte eine niedrige, reicht verzierte Decke, die von zahlreichen, bemalten Holzsäulen gestützt wurde. Dazwischen waren etwa 15 Doppelreihen mit sitzenden Mönchen, die rege Geldscheine tauschten, lachten und diskutierten. Es ging zu und her wie einer Wechselstube oder auf dem Schwarzmarkt. Was war da los? Reiche Chinesen machen Spenden und übergeben dem Quästor-Mönch Bündel von 10-Yuan Scheinen (etwa CHF 1,50). Darauf notieren die Spender den eigenen Namen, oder jener der Eltern oder Kinder. Am Freitag werden die Geldscheine in der grossen Meditationshalle an die Mönche verteilt. Sie murmeln dann Mantras für die Person, deren Namen auf dem Geldschein steht. Anschliessend dürfen sie die Yuan-Scheine behalten. 30% der Einnahmen gehen in die Klosterkasse. Dad Kloster Labrang ist wohlhabend und baulich sehr gut unterhalten. So haben alle etwas davon; für den Spender wird gebetet und der Mönch hat dadurch sein Einkommen. Das war die Wechselstube heute Morgen.



15. Okt / 230 Km Langmu – Songpan. Über die Hochebenen von Sechuan.
Am Morgen liegt Schnee auf der Kühlerhaube. Wir haben auf 3’100 Meter Meer geschlafen. Wir verlassen Langmu und fahren mit dem Landy unter dem Klostertor durch. Unser Weg führt auf eine Hochebene, die auf 3’400 MM liegt und eine Ausdehnung von 150 Km hat. Die Hochebene verliert sich am Horizont. Karges Weideland soweit das Auge reicht. Da weideten unzählige Herden mit Tausenden von Jaks und ebenso vielen Schafen. Hier betreiben Tibeter Alpwirtschaft. Ein grosses Jak kostet etwa 10’000 Yuan oder CHF 1’500.- Die Familien werden vom Staat subventioniert, damit die Menschen ihren traditionellen Lebensstil pflegen können. Somit geht es den Minderheiten besser als dem durchschnittlichen Han-Chinesen. Mitte Oktober werden die Zelte abgebrochen und die Menschen ziehen in tiefere Lagen und bewohnen gemauerte Häuser. Die Jakherden werden in tiefere Regionen verbracht, wo mehr Futter in der kalten Jahreszeit vorhanden ist. Der höchste Pass, den der Landy heute erklomm, war 3850 Meter hoch.

Chinesische Mauer -> Gelber Fluss (Okt. 2017)

Für uns Endet die Seidenstrasse am Gelben Fluss. Unsere Route führt weiter Richtung Südchina.

Quinghai ist die neue Provinz. Da wechselt das gefühlte China das Gesicht. In der vorherigen, autonomen Provinz Xingjiang waren die Tankstellen verbarrikadiert. Zuerst musste der Pass vorgezeigt werden an der Stacheldrahtbarrikade. Anschliessend wurden wir eingelassen und konnten Diesel einfüllen. Auch die Polizeikontrollen waren häufig an der Strasse anzutreffen. Das hiess aussteigen, mit dem Pass in die Police-Station gehen. Pass scannen und Gesicht fotografieren lassen. Diese Massnahmen werden angewendet, um Anschläge der Uiguren, die ein autonomes Gebiet wollen, zu verhindern. In der Provinz Quinghai ist ein völlig neues Erscheinungsbild. Keine Strassenkontrollen, zugängliche Tankstellen und entspannte Menschen. Es wäre falsch, den Eindruck zu haben, dass in ganz China nur überwacht und kontrolliert wird. Dies ist „nur“ in den autonomen Provinzen der Fall, wo Peking ein dickeres Sicherheitsnetz aufspannt.

9. Okt. / 380 Km Dunhung – Jiayuguan. Die Stadt Jiauguan trägt den Namen der Festung Jiayu Guan. Sie ist der Abschluss der Grossen Mauer der Ming (Ming-Dynastie 14. Jh-17.Jh.). Die Festung beherbergte 30’000 Soldaten und stellte der westlichste Aussenposten des Chinesischen Reiches dar. Die Grosse Mauer war nicht nur eine Landes- sondern auch eine Kulturgrenze.

Wir können es fast nicht fassen, dass wir von zu Hause bis an die Grosse Mauer in China gefahren sind. Wir freuen uns jeden Tag über das grosse Glück hier zu sein und sind dankbar für die zahlreichen Erlebnisse und Eindrücke auf unserer Reise mit unserem Landy.

10. Okt / 400 Km Jiayugun – Yonghang. // 11. Okt. / 330 Km Yonghang – Lanzhou. Eigentlich war der ursprüngliche Plan über das Qilian Shan Gebirge mit Passübergängen auf 3’600 Meter. Da der frühe Wintereinfall Schnee bis auf 2’000 Meter brachte, musste die Route in tiefere Lagen verlegt werden. In der Nacht war die Temperatur unter Null gesunken. In unserem Schlafzimmer des Landys herrschten dank der Standheizung angenehme +16 Grad. Durch die Ausläufer des tibetischen Hochlandes überquerten wir Pässe von 2’600 Meter Höhe. Der Blick auf die verschneiten 4’000er liess die Gedanken an den baldigen Saisonstart der Skitouren in den Alpen aufkommen…..Zudem erklang Ländlermusik aus unserem Soundblaster um die alpine Stimmung noch zu untermalen. Ja, je mehr Längengrade auf der Erdkugel hinter uns liegen, desto erträglicher werden Musikstilrichtungen, die wir zu Hause eher nicht hören. Die Realität hat uns wieder eingeholt, als wir in Lanzhou, der Provinzhauptstadt mit 4 Mio. Einwohnern (einer kleineren Stadt für chinesische Verhältnisse) von unserem Navi durch stinkige Industriegebiete mit Kratern im Strassenbelag gelotst werden. Der Höhepunkt der Irrwege war ein verbarrikadierten Bahnübergang.

In China wird wie wild gebaut. Wenn mehrere neugebaute Hochhäuser leer stehen, erweckt das den Eindruck, dass im Rahmen eines Konjunkturprogrammes auf Vorrat gebaut würde. Grund und Boden gehört dem Staat. Privatpersonen können Häuser und Wohnungen im Baurecht auf 70 Jahre hinaus kaufen. Der Renovationsbau wird nicht gross geschrieben. Vielmehr werden die Hochhäuser schlecht unterhalten und vermutlich eher abgerissen und neu erstellt als renoviert (Wirtschaftswachstum).

Zu den Löhnen: Ein Lehrer verdient rund 6000 Yuan (CHF 900). Erhält aber „Geschenke“ von den Eltern der Schüler. Zudem an Feiertagen gibt’s Gehaltszulagen. Ein LKW-Fahrer kann bis zu 15’000 Yuan (CHF 2’200) verdienen. Ein Fladenbrot kostet 2 Yuan (30 Rappen). Die Nudelsuppe heute Mittag kostete 10 Yuan (CHF 1,50. – für 2 Personen!).

In Lanzhou überqueren wir den Gelben Fluss. Für uns ist dies das Ende der Seidenstrasse. Wir reisen jetzt Richtung Südchina.

Taklamakan & Wüste Gobi (Okt. 2017)

30. Sept. 2017 / 500 Km Kashgar – Hotan
1. Okt. 2017 / 500 Km Hotan – Nordseite Taklamakan
3. Okt. 2017 / 360 Km Kuqa – Bosten See
4. Okt. 2017 / 407 Km Bosten See – Turpan
6. Okt. 2017 / 418 Km Turpan – Hami
7. Okt. 2017 den 10’000. Km auf dieser Reise gefahren.
7. Okt. 2017 / 420 Km Hami – Dunhuang

30. Sept. 2017 / 500 Km nach Hotan. Wir reisten durch die Wüsten Taklamakan (Wüste ohne Wiederkehr) und die Wüste Gobi. Unser Landy lief wie ein wüstenerfahrenes Kamel, sodass unsere Gebeine nicht im Sand verblichen. Beide Wüsten liegen in der “Autonomen Region” XINJIANG. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Uiguren. Um 10 Uhr erhielten wir noch die Versicherungsvignette an die Frontscheibe geklebt und los ging die Fahrt. Die Strassen sind erstklassig. Autostrassen u. Autobahn wie zu Hause. Wir fahren am Rande der Taklamakan Wüste nach Hotan. Unterwegs müssen wir etliche Polizeikontrollen passieren. Gepanzerte Fahrzeuge und Blaulichtkolonnen kurvten in den grösseren Städten herum. Momentan herrscht eine erhöhte Sicherheitsstufe. Am 4. Oktober ist Nationalfeiertag (Gründung der Volksrepublik China 4. 10. 1949). Die kleinste Unruhe wird im Keime erstickt. Mitte Oktober ist der Parteitag in Peking. Die Chinesen sind sehr bemüht um unsere Sicherheit. Das ging so weit, dass wir 3 Mal eine Polizeieskorte erhielten und durch Städte im Konvoi fuhren. Ja die Gastgeber sind bemüht und besorgt um unsere Sicherheit, obwohl wir uns zu keiner Zeit und nicht im Geringsten unsicher oder bedroht fühlten. Polizisten, Gemüsehändler, Bauern auf den Eselkarren und Kinder lachten uns an und winkten zu.

1. Okt. 2017 / 500 Km Hotan – Nordseite Taklamakan. Wir durchqueren die Wüste auf einer relativ gut ausgebauten Strasse. Die meiste Zeit herrschten starke Winde wegen der Sonneneinstrahlung (Thermik). Sandsturmfreies Fotografieren war nicht möglich. Unterwegs haben wir plötzlich 40 oder 50 Autocars mit Polizeieskorte an der Spitze vor uns. Die Reisenden sind Wanderarbeiter, die während der Urlaubstage anfangs Oktober zu ihren Familien reisen. In China gibtes es schätzungsweise 350 Mio. Wanderarbeiter. Sie ziehen durchs Land dorthin, wo es Arbeit gibt (Baumwollernte, Strassenbau etc). und sind oft monatelang getrennt von ihren Familien.

3./4. Okt. / 767 Km Kuqa – Turpan. Die Route führt an ausgedehnten Chillifeldern vorbei. Die Menschen pflücken die Früchte und trocknen sie teilweise am Strassenrand oder auf sandigen Böden. So viel Chilli haben wir bisher noch nie gesehen. Auf der Strasse sind alte 6-Achser-LKW unterwegs, die übervollgeladen sind mit den Früchten. Deshalb hat es zahlreiche Ausfahrtbuchten für die Lastwagen, wenn die Bremsen versagen. Die Landschaft ist geprägt durch Hügel, die vom Wind kahlgeschliffen sind.

6. Okt. / Turfan ist seit 2000 Jahren berühmt für seine Rosinen. Überall in der Oase wird Wein angebaut. Die Trauben werden in speziellen Lehmhütten getrocknet. In den Wänden sind Aussparungen für die Wind-Trocknung der Beeren. Die Ruinenstadt Jiaohe wurde im 2. Jh. v. Chr. besiedelt. Dschingis Khan zerstörte sie 1209. In der Wüste Gobi hat es riesige Windräderanlagen. Ein Windpark umfasse schätzungsweise bis gegen 1000 Windräder. Auch Solaranlagen sind grossflächig verbaut. Die Industriealisierung Chinas benötigt enorm viel Strom. Auffallend ist die Politik nebst den KKW’s auch auf die alternativen Anlagen zu setzen. Bemerkenswert ist auch, dass die Zweiräder-Roller ausnahmslos mit Batteriebetrieb funktionieren (im Gegensatz zu Indien. Dort verpesten die Zweitakter die Luft.)

8. Okt. / Dunhuang. Als sich die Han-Dynastie um 100 v. Chr. nach Westen ausbreitete, entstand hier ein wichtiger Knotenpunkt der Seidenstrasse. Via Dunhuan gelangte vor 2000 Jahren der Buddhismus nach China. Ein Wüstenfluss hat eine 1600 Meter lange und 25 Meter hohe Felswand entstehen lassen. Da haben vom 4. Jh. bis 14 Jh. Buddhisten über 1000 Grotten in den weichen Löss gegraben. Die bemalte Fläche in den Höhlen summiert sich auch 45’000 qm. Heute sind die Magao-Grottentempel Weltkulturerbe. Wir besuchten am Nachmittag die höchsten Dünen von China. Welch ein Gaudi – Chinesen und zwei Langnasen mit „Sandgamaschen“ auf den Dünen. Der Nachtmarkt und die beleuchten Paläste sind eine Abwechslung zu Kultur und Sandhaufen!