Usbekistan ( Sept. 2017)

Usbekistan 15. Sept. – 26. Sept. / 2’300 Km

Landschaft
Nach der Grenze setzt sich die Steppe fort; sie geht aber langsam in eine grosse Oase über. Da werden Baumwolle, Melonen, Tomaten und andere Gemüse im Bewässerungsfeldbau angepflanzt. Die Hauptwirtschaftszweige sind jedoch Erdöl und Erdgas. Stalin befahl den Baumwollanbau. Um genügend Wasser zu haben, wurden die Flüsse Amudarja und Syrdarja in unzählige Kanäle abgeleitet und das Wasser erreichte nicht mehr den Aralsee. Die florierende Landwirtschaft ging zu Grunde. Eine der grössten Umweltkatastrophe entstand. Der Aralsee, früher der viertgrösste Binnensee der Erde, versiegte in den letzten Jahren beinahe vollständig. (Fotos: Baumwollernte und Transport)

Da Usbekistan reich an Erdgas ist, sind die meisten Autos (Kleine Chevrolets) durch Gas angetrieben. Diesel verbrennen noch die alten Lastwagen. Entsprechend gibt’s viele Gastankstellen aber beinahe keine mit Benzin u. Diesel. Während der Baumwollernte ist der Diesel durch die Regierung streng rationiert und darf nur im Zusammenhang mit der Baumwollernte verkauft werden. Die Gesamtstrecke, die wir durch Usbekistan fahren, beträgt 2’300 Km. Da sind schon kreative Ideen gefragt, um Diesel zu erhalten…..

17. -18. Sept / Nuklus – Khiva; 370 Km. Im Blog erzählen wir Geschichten, die wir erlebt haben oder unsere Sicht der Dinge. Wir wollen keinen neuen Reiseführer schreiben. Das haben andere Autoren bereits bestens realisiert.

Muhammad Ibn Muso al Xorazmiy (780-850) erwähne ich, da er Bedeutendes in der Mathematik geleistet hat. Er war Mathematiker, Astronom und Geograf. Begründer der Algebra. Er löste lineare und quadratische Gleichungen. Er hat die Zahl Null als eigenständige Zahl eingeführt. Stell dir mal heute die Informatik – die nur Nullen und Einser in der Programmier-sprache verwendet – vor. Hätten die Informatiker keine Nullen, wäre das Chaos noch grösser – oder es wäre gar nicht so weit gekommen. Zudem hat Muhammad Ibn Muso al Xorazmiy die Algorithmen eingeführt. Dieser Begriff wurde von seinem Namen „al Xorazmiy“ abgeleitet.

Khiva wurde im 6. Jahrhundert gegründet. Im 7. Jh. eroberten Perser die Stadt und es folgte die Ausbreitung des Islam. 1220 eroberte Dschingis Khan und 1388 Timur Lenks die Stadt. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt Xiva Hauptstadt des 1511 in Choresmien gegründeten Khanat Chiwa. Bei den häufigen Belagerungen wurden die Befestigungsanlagen der Stadt häufig zerstört. Letztmals geschah dies im Jahre 1740, als Chiwa vom persischen Schah Nadir erobert und das Khanat für kurze Zeit Bestandteil des Perserreiches war.

19. – 20. Sept. / Khiva – Bukhara; 452 Km. Ist seit 1993 Weltkulturerbe. Die Menschen sprechen Tadschikisch, die zentralasiatische Form des Persischen. Wir besuchten das Samaniden-Mausoleum, das älteste Bauwerk Zentralasiens aus dem 10 Jh. Die meisten alten Gebäude wurden zerstört. Dieser Kubus lag unter einem Sandhügel verborgen. Deshalb sind die Ornamente sehr gut erhalten. Sowjets haben es in jüngerer Zeit ausgegraben.

21. – 22. Sept. / Bukhara – Samarqand; 250 Km. Der Registanplatz in Samarkand ist einer der schönsten Plätze Mittelasiens. Das Ensemble von drei Medresen (Schulen der islamischen Wissenschaften) aus dem 15. Jh. ist ein einzigartiges Beispiel der Kunst des Stadtbaus. Er ist traumhaft im Abendlicht. Da lassen wir die Bilder sprechen.

Auch die Grabstätte von Timur ist sehenswert. 1395 errang Timur entscheidende Siege über die mongolischen Herrscher an der Wolga. Bereits 1394 erstreckte sich die Einflusszone von Timurs Macht über ein Gebiet, das sich über Teile des heutigen Iraks mit Bagdas, Irans, Aserbeidschan, Usbekistan, Georgien, Syriens und der Türkei. 1398 eroberte er Delhi.

Begegnungen
Auf der „Autobahn“ nach Bukhara treffen wir einen Biker. Bart heisst er und fuhr vor 87 Tagen in Belgien los. Sein Ziel wäre Peking – vorausgesetzt er bekommt ein Visum. Aber auch Eselkarren und andere Gefährt treffen wir auf der Schnellstrasse an.

23. Sept. / Samarqand – Tashkent; 330 Km
23. – 25. Sept. / Tashkent – Ferganatal Tashkent ist die Hauptstadt von Usbekistan. Sie wude durch ein Erdbeben 1962 fast vollständig zerstört. Heute ist es eine moderne Stadt mit breiten Strassen, Bürohochhäuser und Verwaltungszentren. Wir besuchten die Markthalle mit ihren orientalischen Facetten.

Seidenstrasse (Sept. 2017)

Seidenstrasse (Sept. 2017)

Wir sind auf der Seidenstrasse in Zentralasien angekommen. In Usbekistan sind die wichtigsten, historischen Städte Khiva, Bukhara und Samarqand.

Die alte Seidenstrasse an sich besteht aus zahlreichen Handelsrouten von Ost nach West. Von Ostasien über Zentralasien ans Mittelmeer führten die Karawanenstrassen. Die Blütezeit war 100 v. Chr. bis ins 13. Jh. Einerseits gelangten wissenschaftliche Erkenntnisse (Mathematik, Astronomie, von Ost nach West. In umgekehrter Richtung wurden Religionen (Islam, Christentum vom Nahen Osten und Buddhismus von Indien) verbreitet. Seide, Keramik, Porzellan, Gewürze, Schiesspulver und Edelmetalle gelangen in den Mittelmeerraum. Die Handelsströme auf der „Seidenstrasse“ versiegten im 14 Jh. als der Seeweg nach Indien erschlossen wurde und die Chinesen verstärkt Seehandel betrieben.

Die Chinesen betreiben seit ein paar Jahren massive Investitionen in Strassen und Schiene in Zentralasien,“new silk road“ genannt. Zudem wird der Meeranstoss am Schwarzen Meer ausgebaut. Chinesische Ware kann schneller in Zentralasien vertrieben – und Rohstoffe für China beschafft werden. Die „belt and road“- Strategie wird heute von den Chinesen zielstrebig vorangetrieben. Sie umfasst seit dem Jahre 2013 Investitionen in Infrastruktur und Industrieprojekte in über 70 Ländern.

Kasachstan (Sept. 2017)

Kasachische Steppe. 12. – 15. Sept. / 1000 Km

Das Ziel war ein Camp am Sandstrand des Kaspischen Meeres. Der Weg dorthin musste sich der Landy erkämpfen, was er ausdauerlich tat. Auf der Strecke zum Camp reihte sich Schlagloch an Schlagloch. In der Mitte eine Prise Teer, links und rechts Schotter und Sand. Mit 25 Km/h hoppelten wir in 4 Stunden an den Strand. Am Standplatz hatten wir einen herrlichen Ausblick aufs Kaspische Meer. Das ist doch schon mal was – von zu Hause nicht nur an die Riviera zu blochen und Radio Adria vom Nachbarn mitzuhören. Wir reisen hinter den „Eisernen Vorhang“ ans Kaspische Meer. Der Vorhang ist zum Glück inzwischen verrostet.
Anderntags fahren wir durch die Dünen zurück auf die „Hauptstrasse“ Richtung Osten. Am Vortag fielen mir auf der Schotterpiste 2 Amalgamplomben raus, jetzt waren die 3 Goldinlets (Plomben) dran. Nein, ohne Witz, auf unserem Trip in Kasachstan war das Menue „ Pneustollenraspeln, mit einer dicken Staubschicht überpudert und einem Sprutz Stossdämpferöl drüber“. Wir finden die Strassen sehr mühsam, geniessen aber unsere Lebensumstände trotzdem sehr.

„Reisen bildet“ – nicht nur! Sondern „Reisen relativiert das Anspruchsnivieau – hier gelten komplett andere Standards“. Diese Menschen hier leben auch in ihren Lebensräumen. Sie wirken uns gegenüber zufrieden und fröhlich. Wir Reisenden dürfen aber nicht die Standards von zu Hause auf die Situation hier übertragen. Reisende haben die Umstände zu akzeptieren und den Blickwinkel anzupassen.

• Vor Sonnenaufgang geniessen wir das Morgengrauen.
• Das Erlöschen der Sternbilder.
• Den Sonnenaufgang.
• Tagwacht meistens um 05:30 Uhr.
• Wer hat gesagt, dass wir Ferien verbringen?
• NEIN! Wir sind auf einer Abenteurerreiste vorwärts…
• Richtung Südostasien und Australien.

Nach weiteren 210 km „POSTSOWJETISCHEN ASPHALTS“ – Schlagloch, Schlagloch, Sand, eine Prise Asphalt und wieder Schlagloch…..- sind wir an der Grenze Kasachstan / Usbekistan.

Nein, wir beklagen uns nicht! Jeden Morgen jauchzen wir über das grosse Glück, dass wir auf dieser wunderbaren Erde eine unserer Traumreisen realisierten können. Dass wir den Sonnenaufgang in der Kasachischen Steppe erleben dürfen. Den Landy starten und das Klackern des 5-Zylinders zu hören (Gruss an Ruedi) und dann über die „Strasse“ zu cruisen.
Die Kamele und Dromedare von einer Strassenseite auf die andere wechseln zu sehen. Den meisten Schlaglöchern ausgewichen zu sein… – oder auch nicht. Abends sind wir halt etwas geschafft von der Distanz und den „Strassenverhältnissen“.

Der „Mungg“ – unser Landy – (you remember: Tierchen, das von Stein zu Stein hüpft)- pfeift den Blues des „Steppen-Staubs unter dem Keilriemen“. Die unzähligen „Daumen hoch“, Lichthupen und das Winken der Menschen am Strassenrand drücken die Begeisterung der Zentralasiaten für unseren Land Rover Defender und unsere Reise aus.

Kurz vor der usbekischen Grenze – in der Steppe, weit und breit kein Haus – gerieten wir in eine Strassenkontrolle. Drei Männer. Schwarze Sturmmützen, Tarnanzüge und Maschinenpistole im Anschlag. Was sind das für Kerle? Paramilitärs ? Rebellen? Oder Reguläre? Einer der Vermummten nähert sich dem Landy, die andern beiden sind auf Sicherheitsdistanz, mit der MP schussbereit. „Dokuments please! Open the car!“ Blick in die Kabine. Die Situation entspannt sich. „Excellent Car!“ Ich schenkte dem Soldaten eine meiner „100 Km-Bieler Lauf-Medaillen“ und erklärte ihm anhand der Karte unsere Reise nach Australien. Schulterklopfen, herzliches Lachen und „save travel“. Das sind auch erfreuliche Begegnungen in der kasachischen Steppe. Die letzten 100 Km vor der Grenze waren nur noch schlechte Piste. Der Grenzübertritt ist am 14. Sept. in Beyneu und dauerte ganz 6 Stunden. Anschliessend fuhren wir noch 70 Km zum Übernachtungsplatz in der usbekischen Steppe. Weiterfahrt am 15. Sept. nach Nuklus, 280 Km

Wolgadelta / Astrachan (Sept. 2017)

11. Sept. 2017 / Wolgograd – Astracha; 460 Km. Wir stehen um 5:15 Uhr auf und fahren um 6:00 Uhr los. Wir müssen zuerst 50 Km durch die Stadt fahren, was wir vor dem grossen Morgenverkehr, der gegen 8 Uhr zunimmt, locker schafften. Wir fahren durch die Steppe der Wolga entlang. Rinderherden gehen zur Tränke ans Wolgaufer. Am Stadtrand von Astrachan tanken wir Diesel und fahren anschliessend ins Zentrum zum Hotel. Wir besuchten auch hier den historischen Stadtkern, den Kremel. Zum Nachtessen wurde im „deutschen“ Bierhaus ein ordentliches Mass Bier und ein Stück Fleisch aufgetischt.

12. Sept. 2017 / Astrachan – Kaspisches Meer; 250 Km.
Von Astrachen fuhren wir in 3 Stunden zur Grenze Russland / Kasachstan. Die Abfertigung in Russland verlief speditiv. Die Einreise dauerte etwas länger, da auch der Landy gescannt wurde.

Wolgograd (Sept. 2017)

9. Sept. 2017 / Rogoshyn – Wolgograd; 215 Km. Kurz vor Wolgograd – das von 1925 – 1961 Stalingrad hiess, besuchten wir den Soldatenfriedhof „Rossoschka“. Hier kämpfte die 6. Armee der deutschen Wehrmacht unter General Paulus erbittert gegen die russische Armee und wurde vernichtend geschlagen (Kessel von Stalingrad). Hauptziel Hitlers war der Zugang zum Erdöl am Kaspischen Meer. Zudem befanden sich in Stalingrad Fabriken, die Panzer und Kanonen produzierten. Gegen 1 Mio. Soldaten und Zivilisten starben. So viele Menschen, wie Wolgograd heute Einwohner hat. Die Stadt wurde von der deutschen Luftwaffe den Erdboden gleich gemacht. Heute erstreckt sich die Stadt über 60 Km auf dem rechten Ufer der Wolga.

10. Sept. 2017 / Wolgograd. Wir besuchen den Mamjew Kurgan, den strategisch wichtigsten Hügel der Schlacht um Stalingrad. Heute ist hier eine Gedenkstätte mit der „Mutter Heimat“, der grössten Betonfigur der Welt (86 Meter hoch).